Kino Kaarst: Hallo Betty
29 Juli >> 20:00 - 22:00

Am 29. Juli um 17 und 20 Uhr im Kino Kaarst
Schweiz 2025; Genre: Drama, Komödie, Biografie; Regie: Pierre Monnard; Laufzeit: 110 Min.; FSK: ab 6 Jahren; Darsteller: Sarah Spale, Martin Vischer, Rabea Egg u.a.
1956 erfindet die schüchterne Werbetexterin Emmi Creola (Sarah Spale) im Rahmen einer Kampagne für Speiseöl die Kunstfigur Betty Bossi – und trifft damit den Nerv der Zeit. Aus einer Marketingidee wird die „Köchin und Hausfrau der Nation“, aus Emmi eine unfreiwillige öffentliche Figur. Denn die Schweiz liebt Betty – und verlangt bald ein echtes Gesicht. Emmi schlüpft widerwillig in die Rolle ihrer eigenen Erfindung und wird selbst zur gefeierten Koch-Ikone. Doch der Erfolg fordert seinen Preis: In einer von Männern dominierten Branche muss sie sich behaupten, während sie zugleich versucht, den Erwartungen als Ehefrau und Mutter gerecht zu werden.
Wer hat’s erfunden? In der Schweiz gilt Betty Bossi seit Ende der 50er Jahre bis heute als „Köchin und Hausfrau der Nation“. Dabei existiert Betty gar nicht wirklich, sie war die geniale Idee einer Werbetexterin, die auf diesem Weg den Speiseöl-Umsatz eines Kunden erhöhen wollte. Anno 1956 gelingt Emmi Creola dieser umwerfende PR-Coup. Die Kochgeister, die sie rief, wird Emmi nicht mehr los. Weil immer mehr Menschen ihre Betty lieben, muss die zurückhaltende Werbetexterin die erdachte Fake-Figur real verkörpern. Das neue Leben als ruhmreiche Koch-Ikone im Rampenlicht hat freilich so seine Schattenseiten. Humorvoll gewürzt und mit nostalgischem Retro-Charme serviert, zeichnet diese wahre Emanzipationsgeschichte ein bewegendes Sittengemälde jener Zeit. Kino und Kochen sind seit jeher ein gutes Rezept für Unterhaltung der bekömmlichen Art.
TV-Kochshows boomen auf allen Kanälen, Fernsehköche haben längst Promi-Status, Dschungel-Camp und Co. inklusive. In der guten alten Medien-Mahlzeit war alles anders. Clemens Wilmenrod, der Pionier, brachte in den 50er Jahren den „Toast Hawaii“ in die deutschen Küchen. Ausgebildeter Koch war er gar nicht, sondern Schauspieler. Ganz ähnlich ging es in der Schweiz zu. Dort erfindet anno 1956 die Werbetexterin Emmi Creola (Sarah Spale) eine kluge Hausfrau namens Betty Bossi. Mit deren Rezepten im Zeitungsformat soll der Umsatz von Speiseöl gesteigert werden. Pech nur, dass bei Emmi die kulinarische Kompetenz auf sehr niedriger Stufe köchelt. Ihr Rösti-Rezept der ersten Ausgabe gerät zum Flop. Zum Glück findet sich alsbald eine clevere Komplizin, die nicht nur für köstliche Kreationen nach italienischer Art sorgt, sondern zudem „gelingsichere Rezepte“ verspricht.
Der PR-Coup gelingt, Betty Bossi avanciert zur Köchin und Hausfrau der Nation. Sogar eigene Supermärkte mit ihrem Namen werden eröffnet. Doch bald verlangen die Fans nach der echten Betty. Die Fake-Köchin muss zum Leben erweckt werden. Und so schlüpft Werbetexterin Emmi in die Rolle ihrer erfundenen Kunstfigur. Das Leben als Kultfigur gerät zur Tortur für die dreifache Mutter. Sie muss neben der Karriere noch die Familie versorgen. Das bisschen Haushalt ist doch nicht so schwer, sagt ihr Mann. Zumal er ihr die neuesten technischen Errungenschaften in die Küche stellt. Die große Beziehungskrise droht, als Papi sich um die Kinder kümmern soll, weil Mutti immer mehr Erfolge feiert. „Sie sind doch schon verheiratet. Weshalb arbeiten Sie denn noch?“ zischt eine Kollegin. „Frauen, die arbeiten, sind keine guten Mütter“, bekommt der Familienvater von seinem Chef zu hören.
