Kino Kaarst: Eine Krankheit wie ein Gedicht

2026-09-16T00:00:00+02:00
Lade Veranstaltungen

Am 20. Oktober nur um 18 Uhr 
Sondervorstellung im Rahmen der „Woche der seelischen Gesundheit“

Deutschland 2026; Regie: Jelena Ilić; Länge: 85. Min.; FSK: ab 12 Jahren: Darsteller: Sladjana Ilić, Detlef Kissel, Jelena Ilić; Genre: Dokumentarfilm

„Drogeninduzierte, chronifizierte schizoaffektive Psychose des manischen Formenkreises, Typ polytox, kein Morphintyp” – so lautet die Diagnose meines Vaters.Übersetzt heißt das: Er durchlebt immer wieder denselben Kreislauf. Psychosen reißen ihn aus der Realität, Klinikaufenthalte holen ihn zurück, danach folgt die depressive Scham. Während dieser Psychosen ist er unberechenbar und lebt seine Gewalt offen aus, auch gegen die Menschen in seinem Umfeld. Für mich ist er jedoch nicht nur ein Täter, dessen Taten ich zutiefstverurteile, sondern auch ein Mensch, den ich liebe und ein Künstler, den ich bewundere.In Fotografien, Malereien und Skulpturen hat er die Welt seiner Psychosen festgehalten. Auch unsere Beziehung findet ihren Ausdruck in der Kunst: in einem gemeinsamen Comicbuch, dessen Seiten wir abwechselnd mit Zeichnungen füllen. Er kämpft gegen sich selbst, gegen seine Krankheit und gegen ein System. Und ich an seiner Seite.
Der mehrfache Publikumspreisgewinner EINE KRANKHEIT WIE EIN GEDICHT erzählt mit Wärme, Humor und großer visueller Kraft von umgekehrten Eltern-Kind-Rollen, der Poesie im Chaos und dem Durchdringen einer Krankheit.

R E G I E K O M M E N T A R
Während andere Väter Anwälte oder Lehrer sind, baut mein Vater in der forensischen Psychiatrie an einem Dinosaurier. Weil er als Gefahr für sich und andere gilt – auch für sein Umfeld – wurde ihm vor fünf Jahren die Freiheit entzogen. Früher hieß es, er sei im Urlaub, später war es die Psychiatrie und heute ist es die Forensik. Eine Karriere entgegen der Norm. Trotzdem ist er nicht nur ein kranker Mann, sondern auch mein Vater. Wir teilen nicht nurdie gleiche Nase, sondern auch denselben Humor und haben ein enges Verhältnis, das trotzder Wut und Angst über all die Jahre geblieben ist. Wir trinken viel zu starken Tee, chicken uns selbst gezeichnete Comics hin und her oder sitzen in viel zu kleinen Räumen. Manchmal interviewe ich ihn mit einem Stock als Mikrofon, manchmal sagt er kluge Sätze genau in dem Moment, in dem ich nicht auf Aufnahme gedrückt habe. Und gerade weil wir uns so gut verstehen, würde ich mir wünschen, dass er für immer in der Forensik bleibt – an einem geschützten Ort, der auf ihn und damit auch auf uns Acht gibt. Der Film ist mein Versuch, ihm neu zu begegnen – nicht nur als Patienten, sondern als meinem Vater. Die Kamera schafft Abstand und bringt uns gleichzeitig näher zusammen. Zwischen Angst, Zärtlichkeit und absurden Momenten entsteht eine Geschichte, die wir gemeinsam erzählen: Die Geschichte eines kranken Verbrechers, der langsam wieder zu einem Vater wird – und von einer Tochter, die hofft, irgendwann keine Angst mehr vor ihm haben zu müssen. Wärme, Humor und großer visueller Kraft von umgekehrten Eltern-Kind-Rollen, der Poesie imChaos und dem Durchdringen einer Krankheit.

Go to Top